Student Parties in NRW (seit 1982)
- ein Rückblick -
von
Hartmut
Heiber,
NRW
Coordinator
Im Jahre 2006, das dem Jubiläumsjahr 2005 folgt (50 Jahre EAASDC, 45 Jahre Square Dance in NRW) blicken wir bereits auf 24 Jahre Student Parties in unserer Region zurück - dies soll Anlaß zu einem kleinen Rückblick sein.
In regelmäßiger Folge, d.h. jährlich im Januar, werden in Nordrhein-Westfalen Student Parties organisiert: seit 1982 der Student Dance in Dortmund, ausgerichtet von den "Kohlenpott Hoppers" (somit findet im Januar 2006 der 25. Student Dance im Dortmunder Norden statt), seit 1983 die Rheinische Student Party, die allerdings in den Anfängen noch nicht so genannt wurde. Am 8. Jan. 1983 organisierte der Kölner Club "Colonia Swingers" ein sog. "Student Jamboree" in Erftstadt-Lechenich, auch 1984 gab es in Geilenkirchen ein Student Jamboree, erst ab 1985 erhielt diese Veranstaltung den Namen "Student Party", und stillschweigend wurde sie zur "Rheinischen Student Party", da durchweg im Rheinland stattfindend, im Gegensatz zu dem bereits erwähnten "Student Dance" in Dortmund.
Die "Colonia Swingers", die übrigens dieses Jahr ihren 25. Geburtstag feiern - also noch ein Jubiläum -, waren also die ersten, die 1983 die Idee hatten, solch eine Student Party auszurichten und dazu auch die benachbarten Clubs mit ihren Classes einzuladen, um mit ihnen das bisher Gelernte zu üben. Vorgesehenes Programm ist seit Beginn die Figur 35 des Mainstream-Programms (Box the Gnat), eine Figur, die in den meisten Classes bereits Ende des Jahres gelernt wird. Man will jedoch allen Classes der Region die Möglichkeit zur Teilnahme bieten, also auch denen, die erst im November beginnen. Hansgeorg Haaser, unser 1993 verstorbener damaliger Clubcaller und "Urvater" des Square Dance im Rheinland, dem wir viel zu verdanken haben, war damals wohl der "Spiritus Rector" und Initiator dieses Unternehmens, Erich Kretzen entwarf die Flyer (man erkennt seine elegante zeichnerische Hand), und so fand die Veranstaltung im Schulzentrum in Erftstadt-Lechenich statt: alle benachbarten Clubs mit ihren Students waren eingeladen, alle Caller dieser Classes gestalteten das Programm, und der Caller des gastgebenden Clubs war MC (Master of Ceremony) und führte durch dasselbe. Dieses Konzept hat sich etwa bis Mitte der 90er Jahre erhalten, 1996 kam der Umbruch. Man war der Meinung, daß sog. "Star Caller" mehr Tänzer anziehen würden, und in dem Jahre waren tatsächlich die "Senfpott Twirlers" die ersten, die sowohl im Nachmittags- als auch im Abendprogramm zwei überregional bekannte "Star Caller" einsetzten, die auch den nachmittäglichen Workshop bestritten. Die anwesendenen regionalen Class-Caller können nur noch im Programmteil "Callers from the Floor" (1-2 Stuinden) aktiv und gehört werden. Ob dieser Konzeptwechsel sinnvoll ist für die Students, wird z.T. heute noch diskutiert. Hier steht immer noch die Einschätzung der didaktischen Fähigkeiten des Star Callers der Routine der Class-Caller gegenüber. Jedenfalls hatten beim früehren Konzept die Students Gelegenheit, viele verschiedene Caller, mit verschiedenen Stimmen und verschiedener Qualität, zu hören und (hoffentlich) sich daran zu erfreuen.
In den ersten 10-15 Jahren kam bei der Rheinischen Student Party auch der Round Dance nicht zu kurz, weil immer einige Cuer mit ihren Students anwesend waren, und Mixer und Contras nebenbei rundeten das Programm ab. Dies hat sich heute eindeutig zum Square Dance hin verlagert, andere Tanzformen werden kaum noch geboten. Natürlich ist die Programmgestaltung nach wie vor Sache des ausrichtenden Clubs. Seit etlichen Jahren wird der Ausrichter mindestens ein Jahr vorher von der Gesamtheit der Clubs, jetzt von der durch NRW Coordinator Hartmut Heiber einberufenen Koordinationsversammlung bestimmt. Dieses Verfahren hat sich durchaus bewährt. Daneben lädt Joachim Kolshorn auch die regionalen Caller zu einem Meinungsaustausch ein.
Im Rheinland hatte es sich traditionell ergeben, daß alle Clubs zwischen Maastricht und Düsseldorf eingeladen waren und sind und auch wechselnd die "Student Party" ausrichten. Man teilte anfangs, also in den 80er Jahren, dieses Gebiet in zwei Gruppen ein, die "Rhein-Schiene" mit den Clubs in Bonn, Köln und Düsseldorf und die "West-Schiene" mit dem Raum Aachen und Süd-Limburg (Euregio). Jedes Jahr war damals ein anderer Club mit der Ausrichtung beauftragt, wobei jährlich zwischen den beiden "Schienen" gewechselt wurde. Dieses Prinzip funktionierte etwa bis Mitte der 90er Jahre, dann war die Zahl der Clubs größer geworden, auch beide Gebiete hatten sich ungleichgewichtig entwickelt. Hinzu gekommen waren auch einige Clubs im nördlichen Rheinland-Pfalz (Koblenz, Trier und Strohn/Eifel), deren Betreuung sinnvoll erschien, da diese ziemlich vereinzelt lagen.
Da im Jahre 1983 die "Colonia Swingers" mit der regionalen Student Party begonnen hatten, waren 1984 die "AWACS Flying Squares" in Geilenkirchen (mittlerweile aufgelöst) dran, dann 1985 wieder ein Club am Rhein usw. Da es in diesem Gebiet damals ca. 15 Clubs gab, wäre jeder im Schnitt etwa alle 15 Jahre an der Reihe. Das kann wohl nicht als Überbelastung angesehen werden. Darüber hinaus hat die Clubdichte im letzten Jahrzehnt erheblich zugenommen, so daß sich die Lasten noch mehr verteilen. Es wäre schön, wenn sich auch die neugegründeten Clubs an diesem Rotationsprinzip beteiligen würden.
In der Vergangenheit hatten sich die Clubs in Solingen, Oberhausen und Dinslaken, die ja auch zum Rheinland gehörig betrachtet werden, noch nicht unserer Student Party angeschlossen, wir hoffen aber, daß sie sich auch den rheinischen Clubs wieder annähern. Denn viele Students und Graduierte besuchen auch die andere traditionelle Student Party in Nordrhein-Westfalen, den "Student Dance" in Dortmund (jeweils am zweiten Samstag im Januar). Natürlich ist jedem Tänzer und Student die Teilnahme an der einen oder anderen (oder an beiden) Student Parties freigestellt und wird auch ausdrücklich in den Classes empfohlen. Jedoch ist zu sagen, daß der "Student Dance" in Dortmund ein anderes Konzept hat.
Die "Kohlenpott Hoppers", einer von drei Dortmunder Clubs, organisieren seit Januar 1982 regelmäßig jährlich den "Student Dance". Hier wird seitdem ebenfalls einheitlich das Level Mainstream 30 (Figur "Dive Thru") getanzt, ein Level, das bis Anfang Januar alle Classes geschafft haben sollten. Es waren in Dortmund immer ein, zwei (oder auch schon mal drei) bekannte Caller - heute darf man Star Caller sagen - für das Programm zuständig. Jedenfalls war Thorsten Geppert aus Paderborn seit Anfang an dabei, der später dann durch Thorsten Hubmann, seit langem auch arrivierter Caller seines Zeichens, verstärkt wurde, zwischendurch war auch mal Thorsten Dudziak, der dritte Thorsten im Bunde, mit von der Partie. So fand man die griffige Formel des "Double" (bzw. "Triple") Thorsten Dance, die dann auch werbetechnisch und graphisch auf den Flyern vermarktet wurde. Denn dies ist ein Punkt des Erfolgskonzepts der Veranstaltung: ein erfahrenes und eingespieltes Caller-Team. Weitere Punkte sind:
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Klare, überschaubare Struktur der Veranstaltung
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Kein Round Dance, kein Clogging, keine Introduction in andere Tanzformen
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Ein Programmpunkt "Callers from the Floor" maximal 1 Stunde nur für Class-Caller
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Ein Programm, bei dem die Caller auf das Niveau der Tänzer "heruntergezogen" werden müssen
Dieses seit jetzt 24 Jahren (der 25. Student Dance findet am 14. 1. 2006 statt) praktizierte Konzept hat sich bewährt, was daran klar wird, daß die Teilnehmerzahl der Veranstaltung seit Beginn ständig zugenommen hat: Waren in den 80er Jahren noch nicht mehr als 300 Tänzer und Tänzerinnen dabei, so ist in den 90er Jahren die Zahl stark angestiegen und hat mittlerweile in den letzten Jahren mit über 700 Teilnehmern gewissermaßen eine Schmerz- (und Platz-)Grenze erreicht; mehr ist nicht verkraftbar, ohne daß es beim Tanzen und auch beim Kaffeetrinken (das außergewöhnliche Kuchenbuffet ist auch hier zu loben) zu eng und ungemütlich wird und hier und da blaue Flecken gibt. Aber nicht nur an das Tanzen und Lernen ist gedacht, auch der Spaß kommt nicht zu kurz. So hat man vor etlichen Jahren einen neuen Programmpunkt ins Abendprogramm aufgenommen: TamTam mit TG und TH (Thorsten Geppert und Thorsten Hubmann), wobei die beiden Hauptakteure sich eines Themas annehmen und es schauspielerisch und tänzerisch bearbeiten. Mal treten sie als Haremsdamen auf, mal als Max und Moritz (Wilhelm Busch) oder auch als Berliner Kohlenhändler. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, wir werden in den nächsten Jahren wohl noch viel Ergötzliches sehen.
Der Dortmunder "Student Dance" wird alljährlich von zahlreichen Clubs, eigentlich allen, die im Jahre eine Anfänger-Class anbieten, besucht, und zwar hauptsächlich aus NRW, aber längst darüber hinaus aus den Randgebieten Niedersachsens, Hessens und der Niederlande. Dies ist gut so, der "Student Dance" wird immer bei Students und Angels gleichermaßen als Tanz-Highlight und Kultveranstaltung des beginnenden Tanzjahres angesehen, und man kann wohl bei keiner Veranstaltung unserer Region so repräsentativ die Clubs der Regin vertreten sehen. Es wurde auch festgestellt, daß mindestens die Hälfte der Besucher graduierte Tänzer, also Angels sind, was für die Anziehungskraft ein Indiz ist.
In anderen Gegenden Deutschlands ist die Student Party anders organisiert. In Hamburg gibt es meines Wissens kaum dergleichen, in Algermissen bei Hildesheim findet seit etwa 1992 regelmäßig im Januar eine "Student & Angels Party" statt, und in Süddeutschland hat man die große Auswahl der Student Parties, wobei wohl dort die Bezirke nicht so genau umrissen sind. Auch hier sind Januar und Februar die Monate, in denen Students Veranstaltungen zum Üben haben. Das geht von kleineren regionalen Student Parties bis zur Stuttgarter Student Convention, die sich z.B. 1995 etablierte. Man geht dorthin, wo es einem gefällt und wo eben auch der Caller der Class sich hingezogen fühlt. Es gibt auch Clubs, die Busse chartern und ihre Mannschaften soweit geschlossen wie möglich zur Student Party karren. Ebenso ist es beim Student Jamboree, das regelmäßig am letzten Samstag im März abgehalten wird, organisiert von EAASDC und ECTA gemeinsam, hier wird das Level Basic (MS49) verlangt. Früher fand es meistens im süddeutschen Raum statt, seit Mitte der 90er Jahre wurde es getrennt in zwei Veranstaltungen: Nord und Süd. Öfter schon hatten wir den Vorzug, daß ein Club in NRW sich dieses Jamboree annahm, so daß für uns die Anfahrt glücklicherweise nicht so lang war.
Abgesehen von diesen offiziellen Veranstaltungen gibt es auch immer mehr Special Dances, auf denen u.a. Student Level, das ist das jeweils der Jahreszeit angepaßte Level, verlangt wird. Dies kann von MS30 bis MS60, je nach Entwicklungsstand der Classes. Diese Specials sind recht umstritten in der Square Dance-Welt; ob sie wirklich den Students zur Übung dienen, ist nicht immer klar zu erkennen.
Wie auch immer, so gibt es doch genügend Gelegenheiten im Tanzjahr, die Students in den Tanzbetrieb zu integrieren, wenn diese die Angebote annehmen.
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